E D I T O R I A L — Dirk Eicken Mit oder ohne? So lautete die Frage: Mit oder ohne Politik? Wir haben uns gefragt, ob wir als Restaurant politisch sein wollen oder nicht. Und ganz ehrlich: am allerlie

E D I T O R I A L — Dirk Eicken

Mit oder ohne?

So lautete die Frage: Mit oder ohne Politik? Wir haben uns gefragt, ob wir als Restaurant politisch sein wollen oder nicht. Und ganz ehrlich: am allerliebsten sind wir komplett unpolitisch. Einfach nur das machen, was uns Spaß macht. Einfach so drauflos.

Da gibt es dann die außerordentlich schlaue Bemerkung, dass jedes Fingerschnipsen bereits politisch sei, und alles, was ein Restaurant macht, sowieso eine politische Dimension habe. Nun, das stimmt ja irgendwie, aber kommen wir zur Frage zurück. Mit oder ohne?

Wir sagen: beides! Heute zeigen wir Euch zwei Beispiele, wie wir es meinen. Bei dem ersten Beispiel könnt ihr sogar mitmachen. Beim zweiten Beispiel ist schon alles ausgebucht. Doch für alle, die nicht dabei sein können, erzählen wir, worum es geht.

Eisbein & Wahlurne


Geht es Euch auch so? Die aktuellen Ereignisse in den USA lassen bei mir Bilder der ikonischen Filmgestalt Goldfinger aufblitzen. Der unvergessliche Gert Fröbe in der Schurkenrolle gibt eine wahnwitzige Analogie. Was bisher noch nicht in Analogienähe erschienen ist: ein Mister M, der einen gewissen James zu Hilfe holt.

Am 23. Februar ist Wahltag. Während die Auswirkungen der neuen US-Regierung hier in Deutschland noch nicht richtig angekommen sind, dürfen wir glücklicherweise wählen. Anstatt auf James zu warten, können wir ein Zeichen setzen, sehr bewusst inmitten des dystopischen Geschachers um Macht. Wir können den Durchgeknallten aus Ost und West mit der Stimmkarte unsere Lebensweise, geprägt von Respekt und Gemeinwohl, stolz entgegenhalten.

Auf diesen selbstbewussten Akt wollen wir anstoßen. Und zwar gemeinsam. Bei uns gibt es einen Wahlabend, der aber mehr als nur das ist.

Weinprobe.

Zu Gast ist der großartige Winzer Fritz Salomon vom Gut Oberstockstall aus Österreich (wo schon gewählt wurde, oje). Fritz Salomon macht wunderbar ausbalancierte Weine in langer Familientradition. In Harmonie mit den Gesetzen der Natur zu leben, ist für ihn das höchste Ziel. Schon früh hat er umgestellt auf Biolandbau und Demeter, und er ist ein Meister im Weinkeller: mit Spontanvergärung, unfiltriert, ohne Temperaturbehandlung, ohne Schönungsmittel. Ich sag mal: Ihr müsst ihn als Mensch einmal erleben, mit seiner Ausstrahlung, seiner Bescheidenheit und inneren Ruhe. Lasst Euch von der Wahl nicht kirre machen, kommt nach Abgabe der Stimmzettel zu uns zum Seelepinseln.

Dazu gibt es

Eisbein.

Ganz ehrlich. Deutscher geht’s nicht. Doch halt, wir sind ja im NaNum. Und das NaNum stellt kein deutsches Eisbein mit Sauerkraut auf den Tisch, sondern das, was man in Korea daraus macht. Ich kann Euch sagen, ihr werdet überrascht sein. Ein wunderbares Gericht, das auf der Zunge zergeht. Das Fleisch kommt vom Hof Birkeneck, der für die Weidehaltung seiner Duroc-Schweine mehrfach mit dem Tierschutzpreis ausgezeichnet wurde. Zuvor gibt es Rettichblätter aus dem eigenen Garten, luftgetrocknet auf unserem zweckentfremdeten Wäscheständer (s. unten). Und: Wir öffnen ein 18 Monate altes Kimchi aus einem besonderen Chinakohl, das Lena von GoodFoodSyndikat angebaut hat (s. noch weiter unten). Aber aufgepasst: Das Menü bereiten wir nur einmal zu. Jetzt am Wahltag. Als kulturelles Statemant zur Wahl. Sozusagen ein salomonisches Eisbein. Lasst es Euch nicht entgehen!

Sonntag 23. Februar

17 Uhr

3 Gänge

mindestens 7 Weine von Fritz Salomon zum Probieren

und wahrscheinlich noch ein paar Überraschungen inklusive

(aber ohne anschließenden Brummschädel)

für schlappe

70,- Euro

 B U C H E N 

LABOR-WERTE


So wurde unser Dinner zur eat!berlin angekündigt. Und es war ruckzuck ausgebucht. Worum geht es? Wir haben uns mit Kai Schätzel zusammengetan und werden am 21. Februar ein 9 Gänge Menü mit Weinbegleitung präsentieren. Und wir möchten den Rahmen der eat!berlin gemeinsam nutzen, um zu zeigen, wie die Wein- und Esskultur auf Klimaveränderung positiv reagieren kann. Die Veränderung bietet nämlich nicht nur den Anlass sondern auch die großartige Chance, dass sich was bei uns Menschen ändert . . . auch geschmacklich. Ein unpolitisches Surplus. Ein neues Erlebnis mit phantastischen Aromen.

Kai Schätzel

ist dabei, seine Weinberge zu einer syntropischen Landwirtschaft komplett umzugestalten, im Sommer sie zu kühlenden Pergolen wachsen zu lassen, Bodenverdichtung zu vermeiden, Schafe durchlaufen zu lassen, Bäume zu pflanzen und den Rebenanbau mit Gemüsepflanzen, Kräutern und Obstanbau zu kombinieren. Und viele weitere Maßnahmen: die ein ökologisches Gleichgewicht befördern, den Mikroorganismus im Erdreich entwickeln, die Reben widerstandsfähig machen und ein markantes örtliches Terroir herausbilden.

Im Weinkeller geht es dann weiter. Mit absolut gesunden und heilen Trauben werden unterschiedliche Gärprozesse ermöglicht, spontan ohne künstliche Hefen, Maischegärungen, mit und ohne Sauerstoffbeteiligung bis hin zur Florbildung, und das Prinzip der Coupage ineinander fermentierender Jahrgänge, um die Komplexität seiner Weine zu erhöhen. Und zusammen mit Jule Eichblatt gründete er das Programm >KommunE3000< , zu dem junge Leute aus aller Welt kommen und lernen, wie eine neue andere Weinkultur entsteht (und eine andere Landwirtschaft als die des konservativen Bauernverbandes). Alles in allem eine Menge politischer Dimension und eine große Menge wirklich schöner Erlebnisse am Gaumen.

Und wir

zeigen an dem Abend das, was wir auf dem Teller dazu beitragen können. Die vielen Methoden der Fermentation, mit denen unser Wohlbefinden, unser Imunsystem, die innere Balance gestärkt werden. Fermentationen, mit denen wir ein Stück weit unabhängig von saisonalen Produkten sind. Auch unabhängig von Treibhauskulturen, die krass die Saison ignorieren. Wir zeigen trockengereifte Fische, welche ungemein nahrhaft sind, wo kleine Mengen ausreichen und keine riesigen Fischberge konsumiert werden – und wahnsinnig aromatisch sind. Wir zeigen Seaweeds, diese Wunderpflanzen, die am meisten Anteil daran haben werden, unser Klima zu retten. Zudem sind sie die mikronährstoffreichsten Lebensmittel überhaupt und versorgen uns unter anderem mit dem für Menschen lebenswichtigen natürlichen Jod (Betonung auf natürlichem Jod). Mit alle dem zeigen wir, wie abwechslungsreich und aromatisch eine Esskultur daherkommt, die in die Natur hineinhorcht.

18 Monate Reifung

Das war vor 18 Monaten - Lena brachte eine besondere Sorte Chinakohl - daraus machten wir Kimchi - und jetzt öffnen wir es zum Wahlabend!

Der geschmackvollste Wahlabend von Berlin:

das
salomonische Eisbein
mit Fritz Salomon

 B U C H E N 

Herzliche Grüße
aus dem NaNum

NaNum, Lindenstraße 90, 10969 Berlin, Deutschland

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