E D I T O R I A L — Dirk Eicken Einfacher Herbstanfang. Jetzt kommt die Jahreszeit, in der Nebel aufsteigen. Wenn in den Havelländischen Auenwäldern und Flußmäandern Wasser und Erde wärmer sind als di
NaNum Berlin

E D I T O R I A L — Dirk Eicken

Einfacher

Herbstanfang. Jetzt kommt die Jahreszeit, in der Nebel aufsteigen. Wenn in den Havelländischen Auenwäldern und Flußmäandern Wasser und Erde wärmer sind als die lausigkalte Morgenluft, dann steigen sie stimmungsvoll hoch, und wenn man Glück hat, wenn es tagsüber warm genug wird, dann schafft es die Sonne, reißt sie auf und die Sicht wird herrlich herbstlich klar.

Im Moment beherrschen leider andere schlimme Bilder das Land. Eine Natur, die uns buchstäblich über den Kopf wächst, wir versinken in ihren Wassern und verschütten im Geröll. Und das, nachdem wir lange Zeit ihr auf den Kopf gestiegen waren. Immer noch, ja ach und wehe, immer noch wollen wir sie untertan. Man möchte rütteln,

rufen: Menschmeyer, habe mehr Klarheit und mehr Rückgrat du Mensch, angesichts dieser Bilder. Statt (mal wieder) den Schwächsten, den Schutzsuchenden die Schuld an der ganzen Misere aufzuladen und mit haßerfülltem Geraune und Gefeixe die eigenen Hausaufgaben zu verplempern, könnten wir mal ehrlicher mit uns sein: die sogenannten Fremden, nein, sie nicht, wir selbst sind uns fremd geworden, sind ausgewandert aus der Natur, die unsere Heimat seit ewigen Zeiten mal war. Ja hallo, wir wünschen uns eine herrliche herbstliche Jahreszeit, eine, in der wir uns Geschichten erzählen, die einfach so verbinden - uns mit den Schutzsuchenden und mit der Natur.

Es gibt sie. Ja! Die wunderschönen einfachen Dinge, die ganz schlichten Zusammenhänge. Was uns in letzter Zeit bewegt: wir bemerken eine Veränderung bei unseren Gästen. Denn sie gehören zu denen, die der Gegenwart mit Aufmerksamkeit und Verantwortung begegnen. Den einfachen, mitunter auch unbequemen, aber klaren und schönen Wahrheiten sind sie zugewandt. Bei ihnen bemerken wir eine zunehmende Freude und Begeisterung gerade für die schlichten, ganz reduzierten Menügänge, in denen ein, zwei Aromen von der Natur berichten. Oder von einer natürlichen Verwandlung.

Unsere Gäste scheinen mehr und mehr der dicken, fetten, sahnigen Mahlzeiten überdrüssig, dieser bisherigen Esskultur, die mit Butterschäumen und tausend Zutaten noch lange danach im Magen herumkollert. Wir erleben es jeden Abend und Jinok ist ganz erfüllt von den herzlichen Reaktionen. Gäste sprechen von menschlicher Wärme und Herzlichkeit und solchen Dingen, ähnlich wie oben die wärmende Sonne, die den herbstlichen Nebel wegreißt. Jemand meinte gerührt, hier erfahre er mehr ein Tasting als ein Essen. Eine Gästin meinte, dafür müsse sie jetzt erstmal eine neue Schublade in ihrem Kopf einrichten.


Nun, wir wollen nachfolgend ein paar dieser einfachen Gänge vorstellen. Wer wenig Zeit hat, kann herunterscrollen, dort steht der Termin für den nächsten Workshop, auch der Anmelde-Button und ganz am Schluß, klaro, der Button für die Abendreservierung.

Einfach 1

Tofu

Tofu wird bei uns jede Woche ganz frisch hergestellt. Sojabohnen aus biologischen Anbau werden eingeweicht, püriert, geschöpft, gekocht, geronnen und in die Tofukiste gepackt. Eine kleine Geschichte der Verwandlung. Er schmeckt anders, intensiver, wird ganz pur serviert. Nur mit ein wenig kaltgepresstem Öl aus geröstetem Sesam und ganz wenig Sojasauce.

Einfach 2

KimChi Elixier

Auch das KimChi machen wir jede Woche neu. In der nächsten oder übernächsten Woche ist es dann soweit, auf dem Höhepunkt der Milchsäuregärung, frisch und würzig, prickelnd, überhaupt nicht sauer, aber herrlich belebend. Dieses KimChi hier, fermentiert mit reichlich Flüssigkeit, ist eine typische koreanische Variante und wird bei uns aus immer wieder anderen Gemüsesorten hergestellt. Zum Trinken und knabbern - ohne alles. Nur so. Pur.

Einfach 3

Emmerkorn


Emmerkorn ist eine Urform des Hartweizenmehls, längst verdrängt von ertragreicheren Weizensorten, und doch wird es von manchen Biolandwirtinnen noch angebaut. Es hat einen ganz eigenen nussigen Geschmack. Das Gluten dieser Ursorte soll sehr viel verträglicher sein. In langen Testreihen hatten wir uns diesem altehrwürdigen Korn genähert, cremig, nussig, fest aber nicht zäh oder hart, so stellen wir die Nudel aus Emmerkorn vor. Frisch hergestellt jeden Freitag und jeden Samstag, die Tage, an denen sie ins Menü eingebaut ist. Serviert ganz allein, ohne alles. Nur selbstgepresstes Öl aus Perillasamen dazu.

Einfach 4

Dry aged Fisch

Ganz frischer Fisch von unserem nachhaltigen Lieferanten FrischGefischt, zwei Wochen in unserem Dry Ager trockengereift … und was für ein Unterschied! Kein Vergleich mit Sashimi. Und schon gar nicht vergleichbar mit gebratenem, gedünstetem oder geräuchertem Fisch. Ein feiner, würziger und hochkomplexer Aromenstrauß, wenige Bissen reichen, um den vollen Genuß zu erleben. Für uns war es gleich beim ersten Mal ein unvergessliches Erlebnis.

Einfach 5

Zangazi: vegetarisch, Fisch und Seaweed


Zangazi sind fermentierte Kleinigkeiten. Man kannn sie beinahe aus allem machen. Bei uns gibt es mittlerweile über 50 lebendige Fermentationen. Wir servieren sie wie Kostproben beim Tasting. Reduziert auf sie selbst, ohne Zutaten.

Kein Mensch käme beim Weintasting auf die Idee, den Wein mit Zutaten zum Cocktail zu verrühren. Ganz ähnlich schmeckt und hört man rein in diese einfachen Dinge ohne Zutaten, wandert durch eine vielfältige Aromenlandschaft, die uns die Natur serviert, kaut auf Kleinigkeiten oder lässt sie im Mund zergehen, und merkt erst später, dass ein angenehmes, nicht belastendes Sättigungsgefühl eintritt. Wer dennoch befürchtet nicht satt zu werden: es gibt zwischendrin auch die etwas deftigeren Menügänge :)

Workshop
über die Geheimnisse
des KimChi

Dienstag 15. Oktober
19 Uhr
65,- Euro

im NaNum
max. 30 Personen

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KimChi ist ein asiatischer Pinselstrich - so wird es nächstes Jahr in unserem Buch nachzulesen sein. Was es damit auf sich hat, verraten wir noch nicht. Aber das Basiswissen zum Selbermachen von KimChi, das wollen wir auch dieses Jahr wieder vorstellen. Denn es ist gar nicht so furchtbar schwierig, damit anzufangen, und verlockend, weil es ein langer und ein schöner Weg ist, auf den man sich einläßt. Man wird erleben, wie das KimChi im Laufe der Zeit immer besser gelingt. Obendrein ist es extrem gesund und lässt sich in jede Küche integrieren.

Neben Basiswissen stellen wir drei Besonderheiten vor:
- das vegane KimChi
- das Mul KimChi (s. oben KimChi Elixier)
- die hierzulande unbekannte nordkoreanische Variante aus der Heimat von Jinoks Eltern (der heute unzugänglichen Volksrepublik Nordkorea)

Und wir wollen natürlich auch wieder einige Mißverständnisse ausräumen, die in dem Hype ums KimChi eben auch entstehen. Dazu hilft am besten, zusammen im Workshop den Geschmack von KimChi zu probieren. Der Gaumen ist viel näher dran als jede Theorie.

Herzliche Grüße
aus dem NaNum

 MENÜKARTE 
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NaNum, Lindenstraße 90, 10969 Berlin, Deutschland

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