E D I T O R I A L — Dirk Eicken Ach Korea Eine Lanze brechen. Das klingt zwar martialisch, soll aber ein Loblied auf wunderbare Entdeckungen anstimmen. Auf etwas so Wunderbares - - dass seltsamerweise
NaNum Berlin

E D I T O R I A L — Dirk Eicken

Ach Korea

Eine Lanze brechen. Das klingt zwar martialisch, soll aber ein Loblied auf wunderbare Entdeckungen anstimmen. Auf etwas so Wunderbares - - dass seltsamerweise Korea es nicht zeigt. Beispiel:

Deutschland kennt von der koreanischen Küche fast nur die sogenannte gutbürgerliche Hausmannskost. Jenes merkwürdige deutsche Wort muss leider herhalten, um den Kenntnisstand zu beschreiben. Wenn man sich aber umschaut, ist die Neugierde und der Wissenshunger eigentlich viel größer. Warum wird das von koreanischer Seite nicht befördert?

Durch unsere Aufenthalte und Kontakte in Korea wissen wir, dass Korea wahre Schätze bietet. Dort findet man viel mehr als bürgerliche Hausmannskost. Eine extrem hoch entwickelte Esskultur, die weit in die koreanische Tradition zurückreicht und sie innovativ in die Moderne transformiert und weiterentwickelt. Eine lebendige, vitale Esskultur auf höchstem Niveau. Sie wird getragen von einer anderen Philosophie und einem anderen Verständnis von Essen als in Europa. Da wird es richtig interessant.

Damit man uns nicht falsch versteht: Nichts gegen Hausmannskost. Auch wir essen und genießen zu Hause abundzu die bekannten und populären Gerichte. Aber wir fragen uns, warum es z.B. Japan verstanden hat, seine Esskultur auf höchstem Niveau in Europa einzuführen und bekannt zu machen - und Korea nicht. Es gäbe großartige Beispiele wie das Kwonsooksoo, Onjium, Mingles oder Yunseoul, um nur einige zu nennen. Protagonisten, die Korea in Berlin vorstellen könnte, um zu zeigen, dass nicht nur Literatur, Film und herausragende Musikinterpreten weltweit die höchsten Ehrungen erhalten, sondern auch die moderne koreanische Gastronomie uns in Staunen versetzen kann.

Korea sollte sich nicht verstecken, sondern den Kulturauftrag ernst nehmen und sich mit dem Besten seiner herausragenden modernen Kultur darstellen.

fermentierte Parasol

Perilla abgeerntet
Pilze fermentiert


Von der Kulturpolitik runter und raus in den Garten. Während des Sommers hatten wir tausende Perillblätter geerntet. Letzte Woche haben wir nun alle Perillapflanzen entfernt und, puuh, die restlichen Blätter abgepflückt. Sie sind inzwischen eingelegt, fermentieren und werden für ein paar Monate reichen, danach müssen wir auf die nächste Saison warten.

Unser Garten bereitet sich langsam auf den Winter vor. Zucchini und Tomaten sind jetzt hinüber, Gründüngung wurde gesät, Bäume und Büsche geschnitten, demnächst werden Zwiebeln und Knoblauchzehen gesteckt. Nur Blattrettich und Senfsalat stehen noch kräftig und sollen später geerntet werden.

Auf herbstlichen Spaziergängen durch die Natur wurden die herrlich fleischigen Parasol-Pilze gesammelt. Sie fermentieren jetzt zu ganz intensiven kleinen Kostbarkeiten in der Winterzeit.

Tongyeong Bibimbab


Ab diese Woche gibt es einen neuen Menügang im Fischgericht. Tongyeong ist eine legendäre Hafenstadt an der Südküste von Korea, aus der einst viele Künstler und Widerstandskämpfer kamen. Die Tongyeonger wurden berühmt, als sie vor 500 Jahren die japanische Seeflotte trotz gewaltiger Unterzahl spektakulär vernichtet haben und damit die Landnahme von Korea verhinderten. Die Mentalität ist stur, stolz, politisch links, traditionsbewusst und revoltierend, sie haben gegen die Diktatur der 50-70er Jahre gekämpft und verstehen sich auch heute noch als das soziale Gewissen Koreas.


Nun gut, was hat das mit Essen zu tun? Eigentlich nichts, nur eben, dass die stolzen Tongyeonerinnen ein eigenes charakteristisches Bibimbab entwickelt haben. Das wollen wir vorstellen. Ein Potpurri verschiedener Gemüsesorten und Seaweed, mit unserer fermentierten Krebssauce mariniert und angebraten. Dazu ein gehaltvolles Meeresfrüchtesüppchen und Reis. Am Tisch wird alles vermengt. Das Ergebnis: voll, rund, herzhaft und harmonisch.

Hund....g

Dazu passt kongenial der großartige 2016er grüne Veltliner von Leo Uibel aus der Lage Hundsberg. Mit Luft im großen Glas und nicht zu stark runtergekühlt entfaltet er seine ganze Pracht.

 RESERVIEREN 

Feinschmecker


Die Nachricht hat uns natürlich sehr gefreut. Nun gehören wir im Ranking des Feinschmeckers zu den 500 besten Restaurants in Deutschland. Dankeschön! Nach dem Eintrag in die Michelin Empfehlungsliste und einer roten Haube beim Gault&Millau eine weitere Anerkennung unserer etwas exotisch daherkommenden Esskultur. In dieser gastronomischen Krisenzeit eine schöne hilfreiche Unterstützung.

eine Reise zu fermentiertem Fisch und Seaweed

Vorerst Lunch Ende


Tja, es war eine kurze Episode. Wir beenden das Angebot, einmal in der Woche ein Lunch vorzubereiten. Wir haben einfach nicht die personelle Ausstattung, das hinzukriegen. Nun ist auch noch Personal für längere Zeit ausgefallen. Es wäre Stress in der Küche, und sicher auch Stress für die Gäste, weil wir keinen richtigen Service anbieten können.

Ein Versuch war es wert, und wir haben ja selbst einmal in der Woche Bibimbab als Mitarbeiteressen genossen, aber vorerst gibt es keinen Lunchtag mehr. Vielleicht ändert sich das irgendwann wieder.

Blattrettich

Lasst Euch nicht runterziehen von all den bescheuerten Nachrichten auf der Welt!
Bleibt gesund und lebensfroh!

Herbstliche Grüße
aus dem NaNum

 MENÜKARTE 
 RESERVIEREN 

Info: Alle im NaNum vorgestellten Weine können über Wolfgang Baumeister, Liesl Weinwirtschaft, Nogatstr. 30, Berlin-Neukölln, bezogen werden (falls sie nicht für uns reserviert sind).

NaNum, Lindenstraße 90, 10969 Berlin, Deutschland

Powered by Squarespace

Abbestellen